Elternarbeit und Berufsorientierung am Städtischen Mädchengymnasium Essen-Borbeck
Aus Girls'Day-ElternWiki
Eltern und Berufsorientierung – das ist ein notwendiger Zusammenhang. Eltern, die informiert sein müssen über das Berufsorientierungsprogramm der Schule, die aber vor allem es in dem Sinne mittragen sollten, dass sie die Zielsetzung der Schule unterstützen, den Schülerinnen eine solche Orientierung zu geben, die es ihnen ermöglicht jenseits enger Rollenzuschreibungen ihren Berufswunsch frei nach ihren Kompetenzen zu wählen. Das setzt voraus, dass auch die Eltern sich kritisch auseinandersetzen mit ihren eigenen Rollenvorurteilen, was nicht immer leicht ist. Was die Schule dazu tun kann ist, genau und umfassend zu informieren und vor allem zu versuchen, die Eltern beim Auf- und Ausbau der Programminhalte einzubinden. Die Wege zu dem Ziel, die Schülerinnen zu selbstständigen und kompetenten jungen Frauen zu machen, können dabei variieren und sich im Laufe der Zeit verändern. Hier ist Kreativität und Einsatz aller am Schulleben Beteiligten und auch weiterer Kooperationspartner erforderlich, um das Programm zeitgemäß zu halten. Im Sinne dieses offenen Prozesses arbeitet die Schule an der Optimierung ihres Berufsorientierungsprogramms.
Girls'Day
Der Girls'Day ist am Städtischen Mädchengymnasium Essen-Borbeck (MGB) eine wichtige Station innerhalb des Gesamtkonzeptes der Studien- und Berufsorientierung. Als Mädchengymnasium haben wir – etwas salopp gesagt – jeden Tag Girls’Day, und daher soll die Studien- und Berufsorientierung in allen Fächern, in allen Stufen, in zahlreichen Projekten und vielen Veranstaltungen erfolgen. Dazu gehört auch die Einbindung der am Schulleben Beteiligten sowie die der außerschulischen Kooperationspartner, was vor allem auch bedeutet, ein Netzwerk zu bilden. Das ist uns im Laufe der Jahre durch viele kleine und größere Schritte gelungen.
Am Anfang geschah dies vor allem durch das Ansprechen und die Aufforderung an Eltern und Ehemalige, dabei zu helfen, Stellen zu suchen und der Schule zu vermitteln, die für die verschiedenen Bausteine der Studien- und Berufsorientierung wichtig sind: Unternehmen und Institutionen zu benennen für den Girls’Day, wo unsere Schülerinnen der Jahrgänge 7 bis 10 frauenuntypische Arbeit kennen lernen, Vermittlung von Praktikumsplätzen für unser Mittelstufenpraktikum im Jahrgang 10, bei dem es vor allem darum geht, die Schülerinnen in einem Schnupperpraktikum in jene Berufe zu vermitteln, die traditionell eher als Männerberufe gelten. Auch wenn die Schülerinnen sich später anders entscheiden, sollen sie zumindest einmal in eine „Männerdomäne“ hineingeschaut haben, dieser Ansatz war den Eltern im Allgemeinen gut zu vermitteln, da die meisten von ihnen ja auch bewusst das Mädchengymnasium mit seiner Monoedukation gewählt haben.
Eingebunden wurden die Eltern – durch Elternbriefe, zusätzliche Informationsveranstaltungen und bei den Schulgremiensitzungen - über die Ziele und die Wege der verschiedenen Bausteine im Berufsorientierungsprozess der Schülerinnen. Teilweise kannten sie auch bereits, bevor sie ihre Tochter am MGB anmeldeten, einen Baustein, denn seit vielen Jahren laden wir zum Girls’Day benachbarte Grundschülerinnen ein, die an dem Technikparcours teilnehmen, den wir mit Hilfe von Kooperationspartnern durchführen. Beim Aufbau dieses Netzwerks für technisch-naturwissenschaftliche Angebote am Girls’ Day (auch für unsere 5. und 6. Klassen – Technik-parcours und Workshops im naturwissenschaftlich-technischen Bereich) waren auch Eltern und Ehemalige hilfreich.
Weitere Projekte
Da wir außerdem in allen Lernbereichen immer wieder die Bedeutung des frühen Lernens und die Vielfalt der noch offenen Lernwege betonen, ist dies im Laufe der Zeit auch für die Eltern ein wichtiger Aspekt geworden. Viele achten mittlerweile ganz bewusst darauf, dass ihre Tochter an einer Förderung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich teilnimmt („Science for Girls’- AG, Roberta-AG).
Die Einführung einer Berufswahlmappe vor einigen Jahren geschah auch mit Beteiligung der Eltern. Die Schülerinnen können somit systematisch und kreativ ab der Mittelstufe ihren Berufsfindungsprozess dokumentieren und die Eltern können diesen wohlwollend und unterstützend begleiten. In die Berufswahlmappe können alle regulären und auch die besonderen Projekte, die im weiteren Sinn der Berufswahlorientierung dienen, aufgenommen werden. Dazu zählen auch die Wirtschaftsprojekte, die immer wieder von einem größeren Teil der Jahrgangsstufe 11 wahrgenommen werden: JUNIOR und Businessatschool. Ebenso zählt dazu das Angebot eines Bewerbertags in der Sekundarstufe II, bei dem die Schülerinnen Eignungstests absolvieren und mit der Realität eines Assessmentcenters konfrontiert werden. Diese Angebote finden Zustimmung und Anklang bei den Schülerinnen und auch bei den Eltern. Gleiches gilt auch für die Praktika, die regulären und die besonderen Auslandspraktika. Eltern und Schülerinnen ist heute sehr wohl bewusst, wie wichtig die Entscheidung für den Beruf ist, und zumindest ist es den meisten kein Geheimnis mehr, dass im Allgemeinen männerbesetzte Berufe bessere Aufstiegschancen und höhere Löhne bieten.
Eine besondere Rolle spielt für die älteren Schülerinnen die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, während die jüngeren Schülerinnen häufiger noch recht unbesorgt meinen, alles miteinander in Einklang bringen zu können. Um Lösungsmuster aufzuzeigen, kann es hilfreich sein – wie es bei der Berufsinformationsbörse für die Jahrgänge 10 bis 13 geschieht – in direkten und persönlichen Gesprächen mit Vertreterinnen des gewünschten Berufes Fragen zu klären, die sich nicht nur auf Ausbildung, Voraussetzungen, Bezahlung beziehen. Überhaupt lässt sich sagen, dass sich bei allen Vorbehalten gegenüber bloßer Nachahmung die Auseinandersetzung mit gelungenen Vorbildern in Bezug auf die für Mädchen und Frauen wichtige Fragestellung der Berufs- und Lebensplanung gut einsetzen lässt. Durch anschauliche Beispiele, mit denen sie sich auseinandersetzen können, wird ihnen eher bewusst, was möglicherweise für sie selbst Gelingensbedingungen sein können. Hier stehen wir erst am Anfang.
