Elternkompetenzen nutzen
Aus Girls'Day-ElternWiki
Die am Beratungsprozess beteiligten Informationen und Institutionen sollten angesichts der Bedeutung der Eltern vielseitige Anstrengungen unternehmen, mit den Eltern in einen Dialog zu treten, der auf der einen Seite den Eltern ihre Bedeutung im Prozess der Berufsorientierung und Lebensplanung widerspiegelt und auf der anderen Seite die fachlichen Kompetenzen der Eltern erhöht. Dies trifft vor allem auf die weiterführenden Schulen zu, die im Rahmen der Elternarbeit stärker als bisher auch Fragen der Berufsorientierung und Lebensplanung aufgreifen sollten. Sowohl Hoose und Vorholt (1996) wie auch Beinke (2000) und Höke (2000 und 2002) geben interessante Hinweise zur Ausgestaltung dieses Dialogs mit den Eltern. Deutlich wird, dass die Elternarbeit grundsätzlich von folgenden Charakteristika gekennzeichnet sein sollte:
- Eltern sollten früh „in den Prozess der Berufsorientierung und Lebensplanung einbezogen werden.“ (Boldt 2007b)
- Die Angebote für Eltern sollten in allen Jahrgangsstufen aus einer guten Mischung von Sachinformationen und handlungsorientierten Methoden bestehen.
- Die Mütter und Väter sollten erkennen, dass sie ihren Töchtern und Söhnen auch mit geschlechterstereotypischen Wahrnehmungen entgegen treten und diese Stereotypen sie auch bei der Beratung ihrer Kinder eventuell leiten. Zur Verdeutlichung dieser Mechanismen kann es sinnvoll sein, die Mütter und Väter im Rahmen der Elternarbeit phasenweise auch mal zu trennen. (Boldt et al 2006)
- Der Vorbildcharakter der Eltern (vor allem die Aufteilung und Organisation der Haus- und Familienarbeit) und dessen Bedeutung für die Berufs- und Lebensplanung der Kinder sollte zum Gegenstand des Austausches zwischen den Lehrkräften und den Eltern gemacht werden.
- Die Eltern sollten über das Einmündungsspektrum der Mädchen und Jungen bezüglich der Ausbildungsberufe informiert werden und sich dabei auch über mögliche Probleme und Risiken (Gehälter, Vereinbarkeitsfragen …) austauschen. Dabei sollte auch der Versuch unternommen werden, die Akzeptanz der Mütter und Väter gegenüber dem Ergreifen von geschlechtsuntypischen Berufen durch ihre Kinder zu erhöhen.
Über mehrere Jahre hinweg können die Eltern und Lehrkräfte im Rahmen der Elternarbeit zum Nuten ihrer Kinder an der Weiterentwicklung ihrer Beratungskompetenzen arbeiten. Für einen Einsatz in der Elternarbeit eigenen sich zum Beispiel die im Folgenden beschriebenen Methoden, die ale die Kompetenzen der Eltern stärken sollen, aber jeweils unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen.
Sensibilisierung der Eltern
Zur Sensibilisierung der Eltern von Kindern aller Alterstufen für ihre Bedeutung im Prozess der Berufsorientierung eignet sich der Einsatz der Methode Die ideale Muter/ Der ideale Vater. Zu Beginn des Elternabends legt die Lehrkraft „die Umrisszeichnung eines menschlichen Körpers in Lebensgröße auf der Erde. Sie soll ein Elternteil von Jugendlichen während der Berufsfindung darstellen und wird nun reihum von den Eltern mit Utensilien bestückt, die für diese Aufgabe benötigt werden - die sie oder ihn zur perfekten Mutter, zum perfekten Vater für Jugendliche im Berufsfindungsprozess macht. Eine Mutter gibt dem imaginären Elternteil eine Uhr mit - Zeit sollen sich Eltern für ihre Kinder ... nehmen - eine Brille kommt hinzu, um besser hinschauen zu können und ein Spiel zur Stärkung des Wir-Gefühls. Einige Eltern greifen zum Stift und malen der Figur Sinnesorgane ....". (Höke 2002 und Boldt 2007b)
Erweiterung des Berufsspektrums der Jugendlichen
Die Mütter und Väter einer Schulklasse (Jahrgangsstufe 5) werden an einem Elternabend gebeten, in ihren Betrieben und an ihren Arbeitsorten die Frage zu klären, ob eine Gruppe von Jugendlichen den eigenen Arbeitsplatz erkunden können. Die auf diese Weise möglichen Erkundungen der Arbeitswelt führen dazu, dass die SchülerInnen in Gruppen zu 10 bis 15 Personen ganz vielfältige Arbeitswelten kennen lernen und sich somit ihre Kenntnis der Berufswelt erhöht. Im Zusammenhang mit der Planung, Durchführung und Auswertung der Betriebserkundungen können die LehrerInnen mit den Müttern und Vätern auch in einen Dialog über ihre Bedeutung im Berufsorientierungsprozess treten und die Eltern für die verantwortungsvolle Übernahme ihrer Aufgaben sensibilisieren. Der weitere positive Nutzen dieser Methode ist darin zu sehen, dass die Eltern schon sehr früh sich mit Fragestellungen der Berufsorientierung und Lebensplanung ihrer Kinder beschäftigen.
Viele weiterführende Schulen engagieren sich mittlerweile am bundesweiten Aktionstag Gils’ Day. Auch das Modellprojekt Neue Wege für Jungs hat die Schulen in den letzten Jahren erreicht, so dass den Mädchen und den Jungen jeweils am letzten Donnerstag des Monat April bundesweit vielfältige Maßnahmen aus dem Bereich der Beruforientierung und Lebensplanung angeboten werden. Für die effektivere Gestaltung des Tages können auch die Eltern ihre Kompetenzen einbringen:
- Mütter und Väter können in den eigenen Betrieben und ihrem Bekanntenkreis zusammen mit ihren Kindern Praktikumsplätze für diesen Tag erfragen, die idealtypisch für beide Geschlechter die Möglichkeit eröffnen, in frauen- und männeruntypischen Berufsfeldern praktische Einblicke zu gewinnen.
- Lehrkräfte können an diesem Tag sowohl Mütter wie auch Väter für Gesprächsrunden in die Schule einladen, um zusammen mit den Kindern und den Jugendlichen über ihre bisherigen Berufserfahrungen und/ über Problemfelder wie die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ oder „Nutzung der Elternzeit“ zu sprechen.
Literatur
Beinke, L.: Elterneinfluss auf die Berufswahl. Bad Honnef 2000
Boldt, U.: Jungen stärken. Materialien zur Lebensplanung (nicht nur) für Jungen. Baltmannsweiler 2007b
Hoeke, Chr.: Wie Mutter und Vater Einfluss nehmen. Eltern und Berufsorientierung. In: Schüler. Wissen für Lehrer. Seelze 2000.
Hoeke, Chr.: „Gleiche Chancen nach der Schule?“ – Berufswahlorientierung als Berufs- und Lebensplanung. In: Landesinstitut für Schüle und Weiterbildung (Hrsg.): Koedukation in der Schule. Reflektieren. Weiterentwickeln. Neu gestalten. Eine Handreichung zur Gestaltung der koedukativen Schule. Boenen 2002
Hoose, D./ Vorholt, D.: Sicher sind wir wichtig – irgendwie!? Der Einfluss der Eltern auf das Berufswahlver-halten von Mädchen. Hamburg 1996
