Erfahrungen eines Vaters

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Der "GirlsDay" unserer Tochter liegt bereits ein paar Jahre zurück. Sie ist jetzt eine junge Dame von fast 18 Jahren. Gegenwärtig absolviert sie ihr drittes Ausbildungsjahr mit gleichbleibender Begeisterung und Erfolg. Bis zum heutigen Tag kann sie sich keinen anderen Beruf vorstellen. Das war mal anders. Wir blicken zurück.


Wie lief der Prozess der Berufswahl Ihrer Tochter ab?

Unsere Tochter Nadine besuchte die Hauptschule. Bis zum Beginn der 8. Klasse gab es für sie keine Vorstellung über eine mögliche Berufswahl. Die Schule versuchte im Laufe des Schuljahres die Schüler der 8ten Klassen in Richtung Beruf zu sensibilisieren. Berater der Agentur für Arbeit kamen in die Schule und hielten Vorträge. Gut fanden wir, dass auch die Eltern in diesen Prozess mit einbezogen wurden. Durch einen Eignungstest stellte sich heraus, dass unsere Tochter mehr für technische und handwerkliche Berufe geeignet ist. Die Richtung war gesetzt, aber es blieb trotzdem schwierig das Ganze zu konkretisieren.

Meine Tochter bekam die Möglichkeit über die Firma EADS an einem Girls'Day teilzunehmen. Hier wurde sie erstmals mit Arbeitsplätzen wie Elektrowerkstatt und mechanische Werkstatt konfrontiert. Das Feilen, Bohren und Löten begeisterte sie sehr. Dieser Tag blieb für Nadine lange in Erinnerung. Es war ein erster, kleiner Stoß in Richtung Berufsfindung, aber ehrlich gesagt, 100 prozentig sicher war sie und auch wir Eltern zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sie durfte später ein zweiwöchiges Berufspraktikum im gleichen Betrieb antreten. Hier bekam sie die Möglichkeit verschiedene technische und kaufmännische Bereiche im Zweitagesrhythmus kennen zu lernen. Das war der Schlüssel für die Berufsfindung. Ich kann mich noch gut erinnern, als sie zu mir sagte, dass sie den kaufmännischen Bereich interessant fände, aber das nichts für sie wäre. Die Elektronik wäre ihre Welt. Wir haben im laufe der 9. Klasse die Hilfe der Agentur für Arbeit aufgegriffen und haben gezielt im technischen und handwerklichen Bereich nach Ausbildungsplätzen gesucht. Wegen ihrer guten Noten in den technischen Fächern hatte sie einige Einstellungsangebote erhalten. Sie hat sich für den Beruf "Elektronikerin für Geräte und Systeme" bei EADS entschieden. Sie ist dort das einzige Mädchen.


Wie haben sie Ihre Tochter bei der Berufswahl unterstützt?

Wir Eltern haben uns viele Gedanken über mögliche Berufsrichtungen gemacht. Es war uns wichtig, dass wir uns mit diesem Thema genauso konfrontieren wie die Tochter. Augen und Ohren offen halten war die Devise. Einladungen der Schule und Angebote der Agentur für Arbeit haben wir gemeinsam mit unserer Tochter wahrgenommen. Da die Tochter zunächst wenig Motivation zeigte, lag es bei uns, sie in diese Richtung zu aktivieren. Wir haben keine Richtung vorgegeben, waren also in allen Berufsrichtungen offen. Somit war Nadine völlig entscheidungsfrei. Als die Tochter mit Hilfe des "Girls'Days" und des Praktikums die Liebe zur Elektronik fand, konnte ich ihr diesen Beruf durch eigene langjährige Erfahrung näher bringen. Wir haben bei der Optimierung der Bewerbungsschreiben mitgewirkt und haben sie auf Eignungstests und Bewerbungsgespräche eingestimmt. Mehr Unterstützung erfolgte elternseitig nicht.


Welche Probleme oder Schwierigkeiten gab es?

In unserem Fall gab es keine besondere Schwierigkeiten und Probleme. Wir wurden durch die Schule, der Agentur für Arbeit und der Industrie bestmöglich unterstützt. Mehr kann man nicht erwarten. Das Thema Mädchen in Männerberufen spielt in unserem Umfeld keine außergewöhnliche emotionale Rolle.


Was würden Sie anderen Eltern von Töchtern raten?

Es gibt keine reinen Frauen- oder Männerberufe. Jeder, ob Mädchen oder Junge, hat Platz in jedem Tätigkeitsbereich. Deshalb sollten die jungen Mädchen nicht im Vornherein auf bestimmte Berufe eingestimmt werden. Also das ganze Berufsspektrum offen halten. Ein "GirlsDay" erweitert den Horizont für eine Berufsfindung für Mädchen. Es ist eine Chance für die Mädchen über den Tellerrand der Frauenberufe schauen zu dürfen. Mögliche Neigungen können hier erkannt und vertieft werden. Aber Vorsicht! Es macht in seltensten Fällen Sinn, dass ein zierliches Mädchen den Beruf des Hufschmieds erlernt (sinngemäß). Der Beruf soll schon zur Statur, körperliches Geschick, Können und Neigung passen. Das gilt natürlich auch für Jungs. Ein Schnupperpraktikum ist sehr informativ. Die Mädchen und Jungs sollten aber verschiedene Berufsbereiche kennen lernen. Sie sollten auch mit Berufen konfrontiert werden, zu denen sie zunächst keinen Bezug haben. Es ist auch wichtig zu wissen, was man nicht will. Ich wünsche allen Eltern mit ihren Töchtern und Söhne ein gutes Händchen bei der Berufswahl und viel Erfolg.

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