Forschungsergebnisse zur Rolle der Eltern bei der Berufswahl

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Auch die Forschung befasst sich mit der Rolle der Eltern bei der Berufswahl Jugendlicher und mit der Frage, was Eltern tun oder lassen sollten. Was hat die Forschung uns zu sagen? Kann sie uns über einige Fragen Aufklärung geben oder lässt sie uns vielleicht mit noch mehr Fragen zurück?

In einer Studie der Bertelsmannstiftung (2005) mit dem Titel „Jugend und Beruf“ heißt es: „Die Berufswahl ist auch einer der wenigen Bereiche, in dem Jugendliche ihre Eltern noch um Rat fragen, in dem sie ihnen noch Kompetenz einräumen.“ (S. 9) Wir erfahren nicht, wie es in allen anderen Bereichen genau aussieht, doch offensichtlich sind Eltern bei der Berufswahl gefragt. Das klingt positiv, doch bleibt es ziemlich vage. Deutlicher wird da eine andere Studie mit dem Titel „Berufswahl in Hamburg 2004“, nach der rund ¾ aller Jugendlichen bei der Berufswahl auf den Rat ihrer Eltern bauen. Doch scheint den Eltern ihr Einfluss selbst vage, denn, so heißt es: Eltern wüssten meist nicht, welch großen Einfluss sie auf die Berufswahl ihrer Kinder hätten. Außerdem seien Eltern auf die Last der großen Verantwortung eher schlecht vorbereitet.

Ob das tatsächlich so ist, daran kann man Zweifel hegen, zieht man andere Untersuchungen hinzu. Bei einer Befragung aus dem Jahr 2001 der Bundesanstalt für Arbeit nennen Jugendliche in der Berufsberatung auf die Frage, wie sie auf den von ihnen gewählten Beruf gekommen seien, sich selbst mit 71% an erster Stelle, gefolgt von Eltern/Verwandte (46%) und Freunde/Verwandte mit 34%. (Ehrmann, 2001, S. 14) Wenn es um die Umsetzung der Berufswünsche in Form von Bewerbungen geht und woher die Jugendlichen die Adressen für ihre Bewerbungen bekommen, steht hingegen die Berufsberatung ganz vorn (75%) gefolgt aber doch gleich von Eltern/Verwandten (51%) und Freunden und Bekannten (50%). (Ehrmann 2001, S. 16)

Auch die Studie „Familie und Berufswahl“ (Beinke 2002) kommt zu dem Ergebnis, dass die Eltern größte Bedeutung für die Berufswahl der Kinder haben: Der Einfluss praktischer Erfahrungen durch Betriebspraktika und der Einfluss der Eltern wird hier von ca. 60% der befragten Jugendlichen gleichrangig hoch bewertet. (Beinke 2005, S. 21) Klar wird hier auch, dass Eltern die Berufsentscheidung ihren Kindern überlassen und diese Entscheidung respektieren: „Der Einfluss der Eltern darf allerdings nicht unter dem Gesichtspunkt der Lenkung interpretiert werden. Die Tatsache, dass die Eltern nahezu geschlossen antworten, sie würden Berufe nicht vorschreiben, ist glaubhaft und unterstreicht die Zurückhaltung der Eltern bei gleichzeitiger Beratungs- und Hilfsbereitschaft.“ (ebda. S. 21)

Die Rolle der Eltern bei der Berufswahl der Kinder ist auch in der Jugendforschung ein Thema, das im Übrigen durchaus im Laufe der Zeit Veränderungen erfahren hat. Die Schlüsselbegriffe „Berufswahl, Berufsreife und Berufsschicksal“ wurden von dem amerikanischen Soziologen Paul Lazarsfeld in seiner Studie „Jugend und Beruf“ aus dem Jahr 1931 entwickelt. Lazarsfeld hob hervor, dass besonders Jugendliche der unteren Schichten, die mit 14 Jahren die Schule verließen, mit der Berufswahl überfordert waren, dass dadurch, aber auch wegen der Schwierigkeit der Entscheidung im Jugendalter Unterstützung vor allem durch die Eltern erfolgte. Diese sei nicht kontrollierbar und bezöge sich auf die eigenen Berufe der Eltern oder auf den örtlichen Arbeitsmarkt. Die beruflichen Entfaltungs- und Aufstiegschancen Jugendlicher, so diese Befunde, werden stark durch die soziale Herkunft bestimmt und steigen mit Bildungs- und Sozialstatus der Eltern.

Während hier die große Wirksamkeit elterlicher Aktivitäten bei der Berufswahl der Kinder im Sinne der Konservierung des Bestehenden hervorgehoben wird, verliert sich das in modernen Gesellschaften immer mehr. Aus der Sicht des Soziologen Helmut Schelsky, auch bekannt durch seine Studie „Die skeptische Generation. Eine Soziologie der deutschen Jugend“ aus dem Jahr 1951, erhöht sich die Auf- und Abstiegsmobilität in der Gesellschaft so sehr, dass sich starre Strukturen auflösen und eine „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ entsteht. (Schelsky 1951, S. 256) Der Einfluss der Eltern tritt hier in den Hintergrund.

Heute nun rückt wiederum stärker in den Blick, dass es durchaus verfestigte soziale Strukturen gibt, die sich wie von selbst zu reproduzieren scheinen. Und hier kommen wieder Eltern ins Spiel, diesmal nicht als positive, sondern als hemmende Akteure bei der Berufswahl ihrer Kinder. Mit dem Blick auf das Scheitern von Jugendlichen am Ausbildungsstellenmarkt hebt die Studie „Jugendliche ohne Berufsabschluss“ (Hovestadt 2003), die im Auftrag des DGB erstellt wurde, hervor, dass gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund, deren Eltern sich im Bildungs- und Ausbildungssystem Deutschlands wenig auskennen würden und die selbst einen geringen Bildungs- und Ausbildungsstand hätten, vom Elternhaus keine ausreichende Unterstützung erhalten könnten. (S. 24) Gerade diese Jugendlichen seien stärker als andere Jugendliche auf sich selbst gestellt und daher, so kann man schlussfolgern, seltener beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung erfolgreich. Das, was früher in Bezug auf die unteren sozialen Schichten herausgearbeitet wurde, scheint heute besonders bezogen auf Familien mit Migrationshintergrund ausgemacht zu werden.

Quellen

Beinke, Lothar: Berufsorientierung: der erste Schritt zum Ausbildungserfolg. In: Wirtschaft und Berufserziehung 7-8/2005, S. 276-279.

Beinke, Lothar: Elternhaus, Schule, Betriebe, Berufsberatung und Freundesgruppen: Ein Netzwerk für die richtige Berufswahl. In: Wirtschaft und Berufserziehung 5/2005, S. 19-23.

Beinke, Lothar: Familie und Berufswahl. Bad Honnef 2002.

„Berufswahl in Hamburg 2004“. http://www.einstieg-hamburg.de/extern/pdf/Berufswahl

Ermann, Günter, Referat Berufsorientierung und berufliche Beratung der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg: „Übergang von der Schule in die Hochschule. Eine Befragung von Abiturienten zu den Dienstleistungsangeboten der Bundesanstalt für Arbeit“. Vortrag auf der HIS Tagung vom 30./31.1.2001.

Hovestadt, Gertrud: Jugendliche ohne Berufsabschluss. Eine Studie im Auftrag des DGB. Rheine 2003.

Schelsky, Helmut: Die skeptische Generation. Eine Soziologie der deutschen Jugend. Düsseldorf und Köln 1957.

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