Hilfe (von) Eltern!?
Aus Girls'Day-ElternWiki
Können nun Eltern ihren Kindern bei der Berufswahl tatsächlich eine Hilfe sein? Haben sich Berufe nicht so stark verändert, dass sie denen der Eltern kaum noch ähneln? Wissen Eltern überhaupt genug über die neuen Berufe? Und: ist die Berufswelt, in der die Kinder bestehen müssen, nicht ganz anders, als die der Eltern?
Ja, sicher ist das so. Doch: auch die Berufswelt der Eltern hat sich ja im Verlaufe ihres Berufslebens verändert. Fremd sind ihnen Veränderungen also nicht, neue Berufe mögen ihnen vielleicht nicht immer bekannt sein, aber mit ihnen kann man sich ja bekannt machen - z.B. auch auf der Internetseite des BIBB.
Ob Eltern Ratgeber oder Kurse zur Qualifizierung als „Berufswahlbegleiter“ ihrer Kinder brauchen - darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Jedenfalls gibt es sie und es ist sicher interessant, einen Blick darauf zu werfen. Es gibt jedoch einige Situationen, in denen die Jugendlichen, aber auch die Eltern Unterstützung gut gebrauchen können, wie z.B. bei ausbleibendem Erfolg bei der Lehrstellensuche.
Was tun? Ratgeber für Eltern bei der Berufsorientierung ihrer Kinder
Es gibt eine Vielzahl an Projekten, Ratgebern, Tipps und Informationen, die sich mit der Frage befassen, was Eltern tun können- und sollen -, um ihre Kinder bei der Berufsorientierung und bei der Berufswahl zu unterstützen. Dabei finden sich unterschiedliche Ansichten darüber, was Kinder wollen und brauchen und natürlich darüber, was Eltern (falsch) machen oder (besser) tun sollten.
„Das können Eltern tun“, so überschreibt eine Psychologin im „Online-Familienhandbuch“ das Resümee ihres Artikels, in dem sie sich mit der Berufswahl als Teil der Familienerziehung befasst und schreibt: „Bei der Wahl eines Berufs sind die Jugendlichen auf die Unterstützung und Mithilfe ihrer Eltern angewiesen. Die Bundesanstalt für Arbeit fand heraus: 49 Prozent der Jugendlichen nehmen die Hilfe ihrer Eltern in Anspruch, wenn sie selbst nicht weiterkommen, 41 Prozent brauchen generell zur Orientierung die Eltern. Nur zehn Prozent sind in der Lage, sich ganz eigenständig zu informieren und aktiv zu werden.
Zunächst sollten sich die Eltern zusammen mit ihrem Kind darüber klar werden, über welche Interessen, Stärken und Talente es verfügt. Es ist nicht selbstverständlich, dass Eltern darüber Bescheid wissen, denn Jugendliche leben bereits in ihrer eigenen Welt und teilen den Eltern ihre Wünsche und Interessen nicht mehr so selbstverständlich mit. Darum: Die wichtigste Aufgabe der Eltern besteht zunächst darin, mit ihrem Kind immer wieder das Gespräch zu suchen und ihm intensiv zuzuhören. Gemeinsam machen Sie sich auf die Suche nach Stärken und Schwächen, möglichst objektiv und möglichst neutral. Wenn der oder die Jugendliche von den Eltern immer wieder hört „Das liegt dir nicht“, Das kannst du nicht“, wird ihm oder ihr die Lust auf Eigeninitiative vergehen. Eltern sollten motivieren statt kritisieren. Bestärken Sie Ihr Kind darin, vorurteilsfrei in die Arbeitswelt hineinzuschnuppern, Praktika und Ferienjobs anzunehmen und sich so eine erste Orientierung im Berufsleben zu verschaffen.“ (Online Familienhandbuch, Familienerziehung, Erziehungsfragen)
Fast etwas altbacken in der Anrede - „Liebe Mütter, liebe Väter“ - kommt der „Elternratgeber zur Berufswahl“ einher, den das Frauenbildungsnetz Mecklenburg-Vorpommern E.V. im Rahmen des Projekts „Berufe haben (k)ein Geschlecht“ unter dem Titel „WAS TUN“ zusammengestellt hat. Der Ratgeber erschien kurz vor Ende des Projekts in diesem Jahr und kann kostenlos heruntergeladen werden. Der Anspruch des Ratgebers: „Mit dieser Broschüre wollen wir Ihnen Informationen und praktische Tipps zur Unterstützung Ihres Kindes bei der Berufswahl geben.“ Angesprochen werden verschiedene Punkte, die auch in Wissenschaft, Literatur und anderen Ratgebern zu finden sind, doch werden sie hier weniger bestimmend oder bevormundend vorgetragen als es sonst auch vorkommt.
Das Vorbild von Eltern und Verwandten spielt, neben der kindlichen Fantasie und dem Nachahmungsdrang eine große Rolle. „Durch Ihr Vorbild als Eltern können Sie Ihr Kind dabei unterstützen, das eigene Leben aktiv und selbstbestimmt zu gestalten. Der Rückblick auf die eigene Berufswahl wird empfohlen: „Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihre eigene Berufswahl: Hatten Sie einen Traumberuf? Was war entscheidend für Ihre Berufwahl?“ Die unterschiedliche Berufswahl von Jungen und Mädchen ist auch hier Thema und wird im Zusammenhang mit den eigenen Rollen angesprochen: „Sie als Eltern können viel dazu beitragen, dass sich Ihre Töchter und Söhne in Berufen qualifizieren, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Dabei kann es hilfreich sein, das eigene Rollenverständnis als ‚Mutter’ oder ‚Vater’ einmal zu überdenken.“ Angeboten werden Schemata zur Ermittlung von Persönlichkeits- und Fähigkeitsprofilen, eine Zusammenfassung der Tipps und eine Auflistung von Beratungsangeboten im Umfeld, im Internet und im Buchladen.
Der Verein Arbeit & Leben aus Rheinland-Pfalz hat 2002 eine Dokumentation „Eltern als Berufswahlbegleiter“ vorgelegt. Ziel der Initiative von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Ministerien, Arbeitsverwaltung und Schulen ist es, „Eltern zu helfen, die Entscheidungsfindung und Berufswahl ihrer Kinder qualifiziert zu unterstützen.“ Es wurden Interviews mit Eltern über ihre Bedürfnisse und Wünsche für Unterstützung und Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten geführt, um sie in die Aktionen aufnehmen zu können. Kernelement der Initiative ist ein „Elternpass“, der im Netz in drei Sprachen, deutsch, türkisch und russisch, abgerufen werden kann. „Er ist als Leitfaden für die Eltern gedacht. In der schwierigen Phase der Berufswahl und -entscheidung ist es für die Eltern kein Leichtes, ihre Kinder optimal zu begleiten. In diesem Pass werden Gesprächstermine der Eltern und Jugendlichen erfasst, Gespräche mit dem Arbeitsamt dokumentiert und die Aktivitäten zum Thema Berufswahl in den Schulen festgehalten. Dieses Heft ist damit Leitfaden und Gedankenstütze für Eltern und SchülerInnen.“ (S. 33)
Auch die Agentur für Arbeit gibt Empfehlungen und Tipps an Eltern zur Unterstützung ihrer Kinder bei der Berufsorientierung. Ebenso gibt es hilfreiche Seiten von den Arbeitgeberverbänden und einzelnen Arbeitgebern, sowie vom Bundeselternrat.
Literatur
Arbeit & Leben GmbH Rheinland-Pfalz (Hg.): Eltern als Berufswahlbegleiter. Eine Dokumentation der Wormser Initiative im Mai und Juni 2002. Schriftenreihe Nr. 5. Mainz 2002.
