Im Wandel der Zeit:Geschlechterrollen der Eltern
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Bei der Unterstützung der Berufswahl von Töchtern und Söhnen gibt es durchaus Unterschiede. So erhalten Söhne erhalten von Vätern deutlich mehr Unterstützung bei der Berufswahl als Töchter und Väter haben für Söhne und Töchter eine stärkere Rolle bei der Berufswahl als die Mutter. Das ist wohl nicht verwunderlich, wird doch die Rolle der Frauen in der Berufswelt in unserer Gesellschaft meist unterbewertet.
Das hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. In den 1950er Jahren fielen die Wahrnehmungen Jugendlicher von ihren Müttern und Vätern sehr unterschiedlich aus, wie Helmut Schelsky in seiner schon genannten Jugendstudie „Die skeptische Generation“ schreibt: „Am auffälligsten war vielleicht die Tatsache, dass bei einer Schilderung ihrer Eltern durch die Jugendlichen das Bild der Mutter weniger günstig erschien als das des Vaters; Jungen und Mädchen beschrieben den Vater öfter als die Mutter als lebenstüchtig, fair, ruhig, begabt, weit und unnachgiebig, die Mutter als unbegabt, eng lebensuntüchtig, lebhaft, erregbar und nachgiebig, allerdings wird aber auch eine größere Gefühlszuwendung zur Mutter deutlich. Dass der Vater auch in menschlich so einschneidenden Zügen wie der Fairness und der Wärme positiver bewertet wurde als die Mutter, sei darauf zurück zu führen, dass der Vater den Vorteil des Fernstehenden und des in gewisser Weise emotional weniger wichtigen Menschen genieße. .„ Der Vater scheint mehr aus der Perspektive des Feierabends gesehen zu sein, die Mutter mehr aus der Nähe des Alltags einer Hausfrau, die verschiedenen Menschen gerecht werden soll.“ Schelsky, S. 152)
Die Geschlechterrollen der Eltern wandeln sich mit der Kultur: Je stärker die Berufstätigkeit und die Berufskarrieren von Frauen/Müttern alltäglich sind, desto stärker spiegelt sich das auch in der Bedeutung, die Mütter für die Berufswahl ihrer Söhne und Töchter haben. Dass die Eltern den größten Einfluss auf die Berufswahl haben, bestätigten auch Auszubildende, die im Rahmen einer repräsentativen Untersuchung des BIBB (Schweikert 1999) zu allen Fragen rund um Ausbildung, Beruf und Lebenseinstellungen befragt wurden. In den Neuen Bundesländern lagen bei Mädchen wie Jungen bei der „Einflussfrage“ auf den ersten drei Plätzen. 1. Mutter, 2. Vater, 3. Berufsberater/Berufsberaterin (S. 62-67), wobei die Mutter und die Berufsberatung für die Mädchen wichtiger waren als für die Jungen.
Eine weitere Studie spricht die Geschlechterrollen der Eltern bei der Berufswahl der Kinder an und kommt zu folgendem Ergebnis: „Sehr oft kümmern sich die Eltern nicht beide gleichgewichtig um die Berufswahl ihrer Kinder. Die Beantwortung der Elternfragebogen wird überwiegend von Müttern geleistet. Ihr möglicher wirksamer Einfluss scheint allerdings hinter dem der Väter zurückzustehen.“ Den Müttern wird eine geringere Kompetenz in Berufswahlfragen gegeben. Allerdings ändert sich das Bild, wenn die Mütter berufstätig sind. (Beinke 2005, S. 22)
Generell wird darauf verwiesen, dass Eltern eher traditionell männliche resp. weibliche Berufe für Söhne und Töchter im Blick haben und unterstützen (Nissen/Keddi/Pfeil 2000, S. 74). Das wird häufig dann als Manko gewertet, wenn es um die Erweiterung des Berufsspektrums von Mädchen und inzwischen auch Jungen geht. Man kann das monieren oder aber das Interesse von Eltern an Berufswahl nutzen, diese Themen für die Elternarbeit aufzubereiten.
Tatsächlich spiegeln die Beiträge die Mütter und Väter zur Berufswahl ihrer Kinder leisten die gesellschaftliche Arbeitsteilung und die damit einhergehenden Normalitätsbilder ebenso wieder wie die Beiträge, die Töchter und Söhne von ihren Müttern und Vätern abrufen. So kann es nicht überraschen, dass Jugendliche, die sich für einen der neuen ITAusbildungsberufe entschieden haben, dem Vater stärkere Bedeutung bei der Berufswahl geben als der Mutter: „Die Bedeutung der Eltern hinsichtlich der Berufswahl ist getrennt nach Vater und Mutter zu beurteilen. Der Vater wird im Hinblick auf die Wahl eines technischen Berufs von Frauen und Männern als wichtiger angesehen, daher stärker als Informationsquelle genutzt und besser bewertet als die Mutter. Die von ihm gegebenen Informationen werden von 45,6% der Frauen als sehr bzw. ziemlich hilfreich bezeichnet. Zu diesem Ergebnis kommen mit 47,8% geringfügig mehr Männer. Die Mutter tritt als Informationsquelle gegenüber dem Vater noch einmal in den Hintergrund. Sie wird lediglich von 35,8% der Frauen und 37,5% der Männer als ehr bzw. ziemlich hilfreich bezeichnet.“ (Frauen geben Technik neue Impulse e.V. 2004, S. 9; idee-it)
Quellen
Beinke, Lothar: Elternhaus, Schule, Betriebe, Berufsberatung und Freundesgruppen: Ein Netzwerk für die richtige Berufswahl. In: Wirtschaft und Berufserziehung 5/2005, S. 19-23.
Nissen, Ursula, Keddi, Barbara und Pfeil, Patricia: Berufsfindungsprozesse von Mädchen und jungen Frauen. Deutscher Bundestag, Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin 2001, S. 71-78.
Schelsky, Helmut: Die skeptische Generation. Eine Soziologie der deutschen Jugend. Düsseldorf und Köln 1957.
Schweikert, Klaus: Aus einem Holz? Lehrlinge in Deutschland. BIBB (Hrsg.): Berichte zur beruflichen Bildung 232. Bielefeld 1999.
Struwe, Ulrike: idee_it Begleitforschung: Frauen und Männer in IT-Ausbildung und Beruf. Die Phase der Berufsorientierung. Frauen geben Technik neue Impulse e.V. (Hg.) Bielefeld 2005. http://www.idee_it.de
