Söhne und Töchter, Mütter und Väter

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Macht es für Eltern nun einen Unterschied, ob eine Tochter oder ein Sohn in der Berufswahl steht? Verhalten sie sich unterschiedlich? Ja, sie verhalten sich unterschiedlich, so haben Untersuchungen herausgefunden:

Bei Söhnen gilt finanzielle Unabhängigkeit durch einen Beruf als selbstverständlich und wird nicht extra angesprochen; die berufliche Karriere hingegen wird besonders hervorgehoben. Bei Töchtern wird, vor allem von Müttern, finanzielle Unabhängigkeit durch einen Beruf gesondert hervorgehoben; eine berufliche Karriere hingegen steht eher im Hintergrund. Es scheint so, dass traditionelle Vorstellungen über die Rollenverteilungen zwischen Männern und Frauen in der Gesellschaft für Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder vorherrschend sind. Man kann diesen Befund aber auch anders sehen: Aus der eigenen Lebenserfahrung heraus hat finanzielle Unabhängigkeit für Mütter, deren Berufschancen ja sehr viel eingeengter waren als die ihrer Töchter, diese besondere Bedeutung. Väter hingegen tendieren eher dazu anzunehmen, dass ihre Kinder nach dem Modell des männlichen Alleinverdieners/ Hauptverdieners leben werden, und die Töchter später zumindest „teil-versorgt“ werden.

Gleichzeitig belegen diese Befunde, dass Töchter mehr und „moderne“ Unterstützung bei der Berufswahl brauchen, sind sie doch eher als Jungen (35% zu 42%) skeptisch, einen festen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu bekommen und haben häufiger Angst vor einem Arbeitsplatzverlust als Jungen (38% zu 30%) (Bertelsmannstiftung 2005, S. 4) Und auch andere Untersuchungsergebnisse sprechen dafür: Danach befragt, was bei ihrer Berufswahl hätte besser sein sollen, sagen deutlich mehr Mädchen als Jungen, dass sie sich mehr Auswahlmöglichkeiten und mehr Informationen vom Arbeitsamt gewünscht hätten. (jobaktiv 2004, S. 17). Auch ist der gewählte Beruf seltener für die Mädchen als für die Jungen auch der Wunschberuf (S. 15). Mädchen wenden sich häufiger an Eltern, Freunde/innen und Kollegen/innen, Jungen eher an Ausbilder und Chefs (S. 30).

Junge Frauen sind eher bereit, sich an den Ausbildungsmarkt anzupassen, geben also ihre Berufswünsche eher auf als Jungen und sie entscheiden sich auch eher für geringer wertige Ausbildungswege, z.B. Fachhochschule statt Universität. Und schließlich wird bis heute das „Kind-Beruf-Dilemma“ als „Frauendilemma“ in die Berufswahl unter dem Aspekt der Lebensplanung mit-bestimmend einbezogen, obwohl doch das Durchschnittsalter von Frauen bei der Geburt des ersten Kindes inzwischen bei 27,5 Jahren liegt. (Bois-Reymond u.a. 1992) und, wie allseits beklagt wird, durchaus nicht alle jungen Frauen sich mehr für Kinder entscheiden.

Bei der Unterstützung der Berufswahl von Töchtern und Söhnen gibt es noch einen weiteren, bemerkenswerten Unterschied: Söhne erhalten von Vätern deutlich mehr Unterstützung bei der Berufswahl als Töchter und Väter haben für Söhne und Töchter eine stärkere Rolle bei der Berufswahl als die Mutter. Das ist wohl nicht verwunderlich, wird doch die Rolle der Frauen in der Berufswelt in unserer Gesellschaft meist unterbewertet. Die Geschlechterrollen der Eltern haben sich im Laufe der letzten Jahre gewandelt.

Quellen

Bois-Reymond, Manuela du, Guit, Harry und van Rooijen, Erwin: Lebensentwürfe von Jugendlichen und die Rolle der Eltern beim Übergang ins Ausbildungs- und Beschäftigungssystem. Eine Studie aus den Niederlanden. In: Zeitschrift für Sozialisationsforschung und Erziehungswissenschaft 2/1992, S. 114-132.

Jobaktiv-Beratungsstelle für Jugendberufshilfe des Bistums Limburg (Hg.): Dokumentation der Ergebnisse der Umfrage zur Ausbildungszufriedenheit im Landkreis Limburg-Weilburg. Limburg 2004. (www.jobaktiv-lm.de)

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