Warum ist Beratung für Eltern wichtig?
Aus Girls'Day-ElternWiki
Der Aktionskreis „Eltern als Berufswahlbegleiter“ (veranstaltet von dem Bildungsträger Arbeit und Leben des Bundeslandes Rheinland-Pfalz) organisiert regelmäßig Beratungsabende, an denen neben den Eltern auch Vertreter der Unternehmen und der Bundesagentur für Arbeit teilnehmen. In einer Gesprächsrunde von Müttern und Vätern, in der in erster Linie über den Einfluss der Eltern als Ratgeber ihrer Kinder bei der Berufsausbildung ihrer Kinder beraten wurde, berichtet ein Vater über die Kontakte zu seinem Sohn:
- „Unternommen habe ich noch nichts, besprochen jede Menge. Wir unterhalten uns oft über Berufsmöglichkeiten, Ausbildung. Mein Sohn spricht es an, er thematisiert es. Und wir berichten aus unserem Lebensbereich. Wir versuchen, ihm Antworten zu geben.“ (Arbeit und Leben Rheinland-Pfalz 2002: 10)
Die von dem Vater bezüglich der Beratung des Sohnes geäußerte Unsicherheit und den von dem Vater deutlich gemachte Versuch, den Sohn inhaltlich zu erreichen, drücken ebenfalls die Statements dreier Mütter von Jugendlichen aus, die sich an der Schwelle des Übergangs von der Schule in die Ausbildung befinden:
- „Ich fühle mich schlecht vorbereitet, da es mein erstes Kind ist, das in ein Berufs leben eintreten muss und da mein Sohn zwischen verschiedenen Berufen dauernd hin- und herschwankt, gedanklich; ich weiß nicht, wie ich ihm helfen soll.“ (Arbeit und Leben Rheinland-Pfalz 2002: 16)
- „Im Moment überlegt er - er weiß noch nicht so recht – die ganze Zeit hat er gesagt, er will Bankkaufmann werden oder Reisekaufmann oder Elektriker. Das sind so Unterschiede … Was soll ich da machen? Ich denke, die Vorstellungen sind nicht da, was man denn da macht in dem Beruf. Er hat die Vorstellung nicht, sonst wüsste er ja, in welchen Beruf er gehen soll. Er schwankt mir zu viel. Ich kann ihn nicht … unterstützen.“ (Arbeit und Leben Rheinland-Pfalz 2002: 16ff.)
- „Mein Sohn hat gesagt, er will Gas- und Wasserinstallateur werden. Ich bin eine Frau. Ich habe absolut keine Ahnung, was ein Gas- und Wasserinstallateur macht. Mein Mann hat auch einen ganz anderen Beruf. Der hat es auch nicht so gewusst. Der ist praktisch so ins kalte Wasser gestoßen worden, ohne irgendwelche Vorkenntnisse, ohne dass er irgendetwas erklärt bekommen hat. Das finde ich ganz schlimm. Weil dann stellt sich nach einem halben oder nach einem dreiviertel Jahr heraus, dass es einem absolut nicht gefällt.“ (Arbeit und Leben Rheinland-Pfalz 2002: 18)
Die Aussagen der Mütter und des Vaters verdeutlichen, dass ein großer Teil der Eltern sich durchaus ihrer schwierigen Aufgabe bewusst sind, sie sich ihnen bei der Begleitung ihre Kin-der auf dem Weg in das Leben nach Beendigung der Schulzeit stellt. Einzelne Berufsfelder sind ihnen nicht hinreichend bekannt. Die Unentschlossenheit einzelner Kinder erhöht das Problem, in einem Dialog mit den eigenen Kindern den Jugendlichen Hilfestellungen zu geben. Alle Mütter und Väter, die Bildungs- und Beratungsangebote wie die des Bildungsträgers „Arbeit und Leben“ wahrnehmen, gehen davon aus, dass man sich nicht früh genug um die Fragen der Berufswahl der Kinder kümmern kann. Sie äußern, dass man die Berufswünsche der Kinder schon früh wahrnehmen sollte. Beratung darf die Jugendlichen nicht erst dann erreichen, wenn die konkrete Entscheidung ansteht.
- „Man lässt es einfach auf sich zukommen und denkt, irgendwie läuft es schon. Sie soll ja die 10. Klasse auf der Hauptschule machen und dann denkt man, das schiebt man so vor sich weg. Es sind ja noch drei Jahre. Sie ist in der 7. Klasse. Ich finde es gut, dass so etwas angeboten wird. Man kann sich nicht früh genug darum kümmern.“ (Arbeit und Leben Rheinland-Pfalz 2002: 7)
Die Äußerung eines Vaters macht deutlich, dass sich Veranstaltungen dieser Art vor allem unter dem Gesichtspunkt lohnen, dass die Eltern sowohl in Bezug auf inhaltliche Fragestellungen rund um die Berufswahl und Lebensplanung wie auch hinsichtlich der Verbesserung der eigenen Beratungskompetenzen einen deutlichen Kompetenzgewinn erfahren:
- „Was ich hier mitnehmen kann? Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, das muss sich bei mir erst einmal setzen und ich muss mir dann noch ein paar Tage darüber Gedanken machen, was ich hier alles gehört habe. Die Broschüren sind nicht schlecht. Da kann man schon viele Adressen raus lesen. Leute, die man vorgestellt bekommt, wer was macht und wer sich auf was spezialisiert. Man kriegt hier halt Hilfen an die Hand, das man überhaupt mal startet. Ich finde hier gut, dass es stattfindet. Ansonsten wären wir einfach losgelaufen, wahrscheinlich hätten wir begonnen, irgendwelche ziemlich sinnlosen Bewerbungen loszuschicken. Die Veranstaltung her sehe ich so, dass sie so ein bisschen kanalisiert.“ (Arbeit und Leben Rheinland-Pfalz 2002: 7)
Deutlich ist, dass die Mütter und Väter diese Art von Elternveranstaltungen als einen positives Beratungsangebot empfinden. Die unter den Eltern geführten Diskussionen und die ihnen präsentierten Sachinformationen werden dazu führen, dass nicht nur die persönlichen Beratungskompetenzen der Eltern erhöht werden sondern sie auch im Bereich des Fach- und Hintergrundwissens einen Zuwachs erfahren.
Natürlich ist für die Eltern wichtig, Wissen über die Anforderungen einzelner Berufe und deren Zukunftsperspektiven zu erfahren. Ebenso wichtig ist für die Mütter und Väter, Informationen darüber zu erhalten, ob es generell (und vielleicht auch auf das eigene Kind bezogen) sinnvoll ist, nach Beendigung der Pflichtschulzeit das Berufskolleg zu besuchen, um einen höherwertigen Schulabschluss zu erwerben. Und genauso wichtig ist für die Eltern zu erfahren, wie das Angebot an Ausbildungsplätzen vor Ort konkret aussieht. Die Zitate der Mütter und Väter, die an dem Beratungsangebot in Rheinland-Pfalz teilgenommen haben, machen aber deutlich, dass es nicht nur die Vermittlung von Faktenwissen gehen darf, wenn Eltern ihren Kindern wirklich kompetent gegenüber treten wollen.
Eltern sollten sich deshalb auch informieren über:
- die Bedeutung, die sie im Beratungsprozess für die Kinder haben.
- die Zukunftsvorstellungen, die grundlegend in den Köpfen der Mädchen und Jungen vorhanden sind.
- die in Zukunft weiterhin abnehmende Bedeutung der Erwerbsarbeit aufgrund der zu erwartenden Veränderungen in den verschiedenen Sektoren der Arbeitswelt.
Die Aneignung von Wissen in diesen Bereichen stärkt die Beratungskompetenz gegenüber den Jugendlichen.
Literatur
Arbeit und Leben Rheinland Pfalz: Eltern als Berufswahlbegleiter – Eltern begleiten ihre Kinder. Eine Dokumentation der Wormser Initiative im Mai und Juni 2002. Mainz 2002
