Wie können Eltern Ihre Tochter bei der Berufswahl unterstützen?
Aus Girls'Day-ElternWiki
Sehr geehrte Eltern,
Sie haben eine Tochter im Berufswahlalter, die sich nun mit ihrem weiteren Lebensweg auseinandersetzen und eine Entscheidung treffen muss.
Eine gut überlegte Berufswahl aus mehreren hundert Berufen, die erlernt werden können, ist nicht einfach. Die Verantwortung und Entscheidung - und damit die Hauptarbeit hierfür - liegt bei Ihrem Kind. Ihre Tochter muss sich hierzu selber kennen lernen und sich überlegen, was sie gerne tut und gut kann. Sie wird sich mit Möglichkeiten - und auch mit Grenzen - beschäftigen müssen. Dies betrifft zum Beispiel das intellektuelle Leistungsvermögen des Kindes, Schulleistungen, gesundheitliche und körperliche Gegebenheiten und Talente. Dies muss mit den Inhalten und Anforderungen der Berufe sowie Rahmenbedingungen des regionalen Ausbildungsmarktes verglichen werden. Ihre Tochter muss sich über Berufe informieren und eine Entscheidung für einen Beruf und Alternativen treffen. Schließlich muss sie sich einen Ausbildungsplatz suchen. Ihre Tochter muss also sehr viel tun, bis sie den Start ins Berufsleben gefunden hat.
Für die meisten jungen Menschen ist das schwierig. Vieles davon haben sie ja noch nie gemacht.
Daher ist es wichtig, dass die Eltern bei der Berufswahl helfen.
Die Wahl für einen Beruf oder einen weiteren Schulbesuch braucht Zeit. Was können Sie zur Berufswahl Ihrer Tochter beitragen? Im Folgenden erhalten Sie ein paar Anregungen, wie Sie Ihr Kind dabei unterstützen können.
- Helfen Sie Ihrem Kind, mehr über sich zu erfahren
- Sprechen Sie mit Ihrer Tochter, was Sie und Ihr Kind denken, wo ihre Stärken liegen. Was kann sie gut? Was interessiert sie besonders? Was wurde bereits in der Freizeit, der Familie, der Schule oder in Praktika gelernt? Welche Erfahrungen wurden dabei gemacht? Wo legt Ihr Kind seine Prioritäten? Ist es Ihrer Tochter beispielsweise wichtiger, zunächst in der Region zu bleiben oder berufliche Neigungen zu verwirklichen? Wo liegen Grenzen des Leistungsvermögens und Leistungswillens?
- Ihr Kind wird so Stück für Stück an die Auseinandersetzung mit sich selbst herangeführt und kann Vorstellungen erarbeiten und sich hinterfragen. Fragen Sie auch Lehrer, Verwandte und Bekannte danach, wie sie Ihr Kind sehen.
- Lassen Sie Ihre Tochter u.a. am Girls´Day teilnehmen, damit sie ihr Interesse und Talent für technische Berufe entdecken kann und ihre Berufswahl nicht auf klassische „Frauenberufe“ beschränkt.
- Eigene Berufswahl
- Erinnern Sie sich an die Zeit, als Sie Ihren Beruf gewählt haben. Was hat dabei eine Rolle gespielt? Wie ging es Ihnen dabei? Was hat sich seitdem verändert? Haben Sie mit Ihrem Kind schon einmal darüber gesprochen?
- Eigener Lebenslauf
- Betrachten Sie mit Ihrer Tochter Ihren beruflichen Lebenslauf. Erzählen Sie von den Stationen und Ihren Erfahrungen. Beziehen Sie hierbei sowohl die Erfolge als auch die Schwierigkeiten mit ein.
- Eigene Erfahrungen
- Was ist Ihnen im Beruf wichtig? Erzählen Sie Ihrer Tochter, was für Sie bedeutend ist. Berichten Sie, welche Anforderungen an Sie gestellt werden, geben Sie Einblicke in die Abläufe und Regeln Ihres Arbeitsalltages. Sagen Sie Ihrem Kind, was Ihnen an Ihrem Beruf gefällt und auch nicht gefällt. Ihre Tochter hat in der Regel keine Erfahrungen in der Arbeitswelt - helfen Sie ihr, eine realistische Vorstellung zu entwickeln.
- Stellung beziehen
- Auch wenn die Entscheidung durch Ihre Tochter getroffen werden muss, überlegen Sie sich, was Ihnen bei der Berufswahl Ihres Kindes wichtig ist. Welche Berufe wünschen Sie sich für sie und bei welchen hätten Sie Probleme, die Entscheidung zu akzeptieren? Verdeutlichen Sie Ihre Position und erklären Sie Ihrem Kind Ihre Argumente.
- Druck nehmen und Geduld haben
- Gerade am Anfang des Berufswahlprozesses wechseln Berufswünsche bei einigen Jugendlichen häufig. Das ist normal. Lassen Sie Ihrem Kind die Zeit, sich in verschiedene berufliche Rollen einzudenken.
- Sprechen Sie mit Ihrer Tochter über die Vor- und Nachteile verschiedener Berufe. Ver-suchen Sie dabei immer beide Seiten einzubeziehen - denn den Traumberuf gibt es in der Regel nicht. In einem Beruf gibt es immer Bereiche die viel Spaß und den Beruf damit interessant machen, aber auch Aspekte, die weniger gut gefallen. Beispiele hierzu können unter anderem Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten, Aufstiegsmöglichkeiten und vieles mehr sein. Eine Berufswahlentscheidung ist heute nicht mehr lebenslänglich gültig; wichtig ist ein guter Start ins Berufsleben.
- Nutzen Sie eigene Netzwerke
- Nutzen Sie Kontakte, die Sie durch Ihre Arbeit, Ihren Bekanntenkreis oder Verein haben. Vielleicht ist es möglich, dass Ihr Kind Schnupperpraktika an Nachmittagen oder in den Ferien in verschiedenen Berufen machen kann?
- Erzählen Sie, dass Ihre Tochter einen bestimmten Ausbildungsplatz sucht. Gegebenenfalls kennt jemand einen Betrieb oder kann weitere Kontakte vermitteln
- Tauschen Sie Erfahrungen aus
- Ob bei Elternveranstaltungen in der Schule oder in Ihrem Bekanntenkreis - sprechen Sie mit Eltern, deren Kinder ebenfalls im Berufswahlalter sind. Vielleicht bietet das Elternportal planet-beruf Ihnen eine weitere Plattform für Austauschmöglichkeit oder der Informationssuche.
- Mut machen
- Es ist heute nicht einfach, eine Ausbildungsstelle zu finden. Ihr Kind muss unter Umständen viel Durchhaltevermögen und Initiative entwickeln. Nehmen Sie Anteil an den Erfahrungen und zeigen Sie Verständnis, wenn die Enttäuschung bei Absagen groß ist. Machen Sie Mut, es weiter zu probieren.
- Umgang mit Absagen
- Falls Ihre Tochter immer wieder Absagen bekommt, denken Sie noch einmal gemeinsam über den Berufswunsch nach. Vielleicht sind andere Berufe auch ähnlich, nur weniger bekannt? Gibt es noch andere Berufe, die für Ihr Kind genauso interessant und geeignet sind, wie der Hauptwunschberuf? Wo sind Kompromisse denkbar, wo vielleicht sogar unumgänglich? Welche Entscheidungen kann ihr Kind mittragen? Nehmen Sie Kontakt mit der Berufsberatung auf; diese kann Ihnen und Ihrem Kind gegebenenfalls bei der Suche nach guten Alternativen behilflich sein.
- Überbrückungsmöglichkeiten
- Falls es trotz intensiver Suche einfach nicht klappt mit dem Ausbildungsplatz, gibt es Überbrückungsmöglichkeiten, die Ihr Kind auf den Einstieg in die Berufswelt vorbereiten. Schulische Lücken können geschlossen und erste Erfahrungen gesammelt werden. Beispiele sind - je nach Alter und Vorbildung Ihres Kindes - das Berufsvorbereitungsjahr, das Berufsgrundbildungsjahr, Berufsfachschulen oder ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr. Fragen Sie auch Ihre Berufsberatung nach Überbrückungsmöglichkeiten.
Bitte bedenken Sie, dass abhängig vom Wirtschaftszweig, Berufsrichtung und Arbeitgeber die Bewerbungsfristen für Ausbildungsplätze bis zu 1,5 Jahre vor Ausbildungsbeginn liegen können!
