Zukunftsvorstellungen der Jugendlichen
Aus Girls'Day-ElternWiki
Was erwarten Mädchen wie Jungen von ihrem zukünftigen Leben? Wollen sie eher traditionell leben? Wollen sie im Falle einer zukünftig gelebten Beziehung (mit oder ohne Kinder) beide zum Einkommen beitragen? Wie wollen sie die Erziehung möglicher Kinder organisieren? Bei der Beantwortung dieser Fragen wird deutlich, dass sowohl die Mädchen wie auch die Jungen angefangen haben, eher partnerschaftliche Lebensmodelle verwirklichen zu wollen.
- „Traditionelle Geschlechtsrollenmuster greifen nicht mehr angesichts der Deregulierung der Arbeitsverhältnisse und der Anforderungen, die junge Frauen an eine partnerschaftliche Arbeitsteilung von Haus- und Familienarbeit stellen.“ (Pädagogisches Landes-institut Brandenburg 1996)
Aufgrund der Modernisierung der weiblichen Lebensentwürfe, die zunehmend Fragen der Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter bezüglich der Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit in den Mittelpunkt stellen, müssen auch die Männer für sich an der Erneuerung ihrer Lebensentwürfe arbeiten. Ringen Frauen um Autonomie, arbeiten Frauen an neuen Leitbildern, so kann das Leben der Männer zukünftig nicht mehr nur durch das Festhalten an den alten Strukturen gekennzeichnet sein.
- „Für Mädchen ist es heute selbstverständlich, einen Beruf zu erlernen und diesen auszuüben.“ (Stiftung Siverdes/ Frauen & Beruf Münster 1999)
Alle Befragungen zeigen aber auch, dass die Jungen ebenfalls angefangen haben, an der Modernisierung ihrer Lebensentwürfe zu arbeiten. Untersuchungen machen deutlich, dass Mädchen und Jungen bis in das junge Erwachsenenalter hinein ähnliche Vorstellungen bezüglich ihrer privaten und beruflichen Zukunft äußern. Schule sollte davon ausgehen, dass auch auf Seiten der Jungen eher Gleich-heitsvorstellungen bezüglich des Zusammenlebens mit einer Partnerin und Kindern ausgegangen werden kann. Untersuchungsergebnisse aus dem Bundesland Brandenburg machen deutlich:
- 90% aller Jugendlichen möchten später Kinder haben.
- Für 70% aller Mädchen und Jungen ist es genauso wichtig, Kinder zu haben wie einen Beruf.
- Circa 60% der Mädchen und Jungen verneinen die Aussage, dass Kinder zu haben für die Frauen bedeutet, den Beruf erst einmal aufgeben zu müssen.
- Der Beruf der/ des Hausfrau/ Hausmannes wird von 90% aller Jugendlichen abgelehnt. (Lemmermöhle/ Nägele 1999)
Auch wenn die Mädchen (75%) stärker als die Jungen (55%) die Aussage befürworten, dass sie sich den Beruf danach aussuchen, ob sie damit Familie und Beruf gut vereinbaren können, so gilt doch zusammenfassend für beide Geschlechter, dass der Verzicht auf Erwerbstätigkeit „in den subjektiven Lebensperspektiven der Mädchen und Jungen eindeutig negativ besetzt“ ist. (Lemmermöhle/ Nägele 1999) Die ein Jahr später durchgeführten qualitativen Interviews vermitteln das folgende Bild:
- „Für alle interviewten Jugendlichen tritt mit zunehmenden Erfahrungen bei der Berufssuche die Familiengründung in den Hintergrund, Kinderwünsche werden reduziert ..., zeitlich verschoben und an einen sicheren Arbeitsplatz gebunden ... oder sogar ... ganz aufgegeben. Berufliche Sicherheiten gewinnen an Priorität und werden als Voraussetzung für die Familienplanung benannt.“ (Lemmermöhle/ Nägele 1999)
- Und: „Die Reihenfolge der Lebensziele ist daher ganz klar, bei Mädchen wie bei Jungen: Ausbildung, Abschluss, Beruf, Familie.“ (Lemmermöhle/ Nägele 1999)
Eine andere, von der GEK in Auftrag gegebene bundesdeutsche Studie, welche die Zukunftsperspektiven von Jugendlichen zum Inhalt hat, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis:
- „Eine berufs-karrieristische Orientierung einerseits, die einzig und allein Arbeit und Aufstieg in den Mittelpunkt des Lebens stellt, findet sich (bei den Jugendlichen, d. Verf.) selten. Nur 12% wären bereit, auch zugunsten des Berufs private Interessen hintenanzustellen. Völlig überraschend erscheint schließlich, dass eine Orientierung auf Familie und Kinder bei den jungen Männern unserer Befragung noch um 10% häufiger vorzufinden ist als bei den Frauen. 52% der Männer und nur 42% der Frauen bejahen das Statement ‚Die Sorge für die Familie kann genau so erfüllend sein wie die Berufstätigkeit’.“ (Marstedt et al 2000)
Alle in der Beratung der jungen Menschen tätigen Personen sollten diese Befragungsergebnisse ernst nehmen und sie zum Gegenstand der Gespräche mit den Jugendlichen machen. Die in den Köpfen der Mädchen und Jungen vorhandenen Vorstellungen sollten in der Form aufgegriffen werden, dass beide Geschlechter darin ermuntert werden, an ihren Lebensvorstellungen möglichst lange festzuhalten.
Literatur
Lemmermöhle, D./ Nägele, B.: Lebensplanung unter Vorbehalt. Jungen und Mädchen in Brandenburg zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem. Mössingen-Talheim 1999
Marstedt, G./ Müller, R./ Hebel, D./ Müller, H.: young is beautiful? Zukunftsperspektiven, Belastungen und Gesundheit im Jugendalter. Ergebnisbericht zu einer Studie über Belastungen und Probleme, Gesundheitsbeschwerden und Wertorientierungen 14-25jähriger GEK-Versicherter. Schwäbisch Gmünd 2000
Pädagogisches Landesinstitut Brandenburg (Hrsg.): BOM (Berufsorientierung für Mädchen und Jungen). Ein Modellversuch zur Erprobung, Weiterentwicklung und Umsetzung einer arbeitsorientierten und geschlechterbewussten Bildung (Informationsschrift für die Lehrer und Lehrerinnen des Landes Brandenburg). Ludwigsfeld 1996
Stiftung Siverdes/ Frauen & Beruf: Wie stellst du dir dein Leben vor? Lebensplanung und Berufswahlorientierung für Mädchen und Jungen. Münster 1999
